
WG-Miete berechnen: Formel und Beispiele für die faire Aufteilung
WG-Miete berechnen: die Formel für die Aufteilung nach Zimmergröße, inklusive Gemeinschaftsfläche, Zuschlägen, Nebenkosten und kompletter Beispielrechnung.
Die Wohnung ist gefunden, der Vertrag unterschrieben, und dann kommt die Frage, die schon viele WGs in den ersten Wochen zerlegt hat: Wer zahlt wie viel? Ein Zimmer hat 20 Quadratmeter und einen Balkon, das andere 12 Quadratmeter und Blick auf den Hinterhof. Gleiche Miete für alle wirkt da schnell unfair.
Dieser Artikel zeigt die Formel, mit der ihr die WG-Miete nach Zimmergröße berechnet, rechnet eine komplette Dreier-WG durch und klärt, was mit Nebenkosten, Balkon und laufenden Ausgaben passiert.
Die kurze Antwort
Die faire WG-Miete berechnet ihr in zwei Schritten. Erstens: Jedes Zimmer bekommt seine private Fläche plus einen gleichen Anteil der Gemeinschaftsfläche (Küche, Bad, Flur), geteilt durch die Anzahl der Zimmer. Das Ergebnis ist die effektive Fläche des Zimmers. Zweitens:
Miete pro Zimmer = Gesamtmiete × effektive Fläche ÷ Summe aller effektiven Flächen
Bei 1.200 Euro Kaltmiete und 75 Quadratmetern Gesamtfläche kostet jeder Quadratmeter 16 Euro. Ein Zimmer mit 21 effektiven Quadratmetern zahlt also 336 Euro, eines mit 29 Quadratmetern 464 Euro. Die Nebenkosten teilt ihr meistens gleichmäßig pro Kopf, weil Heizung und Wasser eher vom Verhalten als von der Zimmergröße abhängen.
Wer nicht selbst rechnen will: Der kostenlose WG-Rechner: Miete nach Zimmergröße berechnen macht das cent-genau im Browser, ohne Anmeldung.
Was heißt faire WG-Miete überhaupt?
Fair heißt nicht automatisch gleich. Fair heißt, dass die Aufteilung einen Maßstab hat, den alle vor dem Einzug kennen und akzeptieren. Die drei üblichen Maßstäbe:
| Modell | So funktioniert es | Passt, wenn ... |
|---|---|---|
| Pro Kopf | Gesamtmiete durch Anzahl der Zimmer | die Zimmer ungefähr gleich groß und gleich attraktiv sind |
| Nach Fläche | Zimmergröße plus anteilige Gemeinschaftsfläche | sich die Zimmergrößen deutlich unterscheiden |
| Fläche plus Zuschläge | wie oben, plus Aufschlag für Balkon, eigenes Bad, Altbaucharme | ein Zimmer erkennbar mehr bietet als nur Quadratmeter |
Wichtig ist die Reihenfolge: erst das Modell festlegen, dann die Zimmer verteilen. Wer zuerst einzieht und sich das große Zimmer sichert, verhandelt sonst später aus einer komfortablen Position heraus, und genau daraus entsteht der typische WG-Groll.
Nebenbei: Der Vermieter interessiert sich für diese Aufteilung nicht. Er bekommt die Gesamtmiete, meistens von einem Hauptmieter oder von allen gemeinsam als Gesamtschuldner. Wie ihr intern aufteilt, ist eure Sache.
Modell 1: Gleiche Miete für alle
Die simpelste Variante. Gesamtmiete geteilt durch die Anzahl der Zimmer, fertig. 1.200 Euro durch drei sind 400 Euro pro Person.
Das funktioniert erstaunlich oft, nämlich immer dann, wenn die Zimmer sich kaum unterscheiden. Der Vorteil ist die Einfachheit: keine Vermessung, keine Diskussion, kein Nachrechnen bei einem Mieterwechsel.
Der Nachteil zeigt sich, sobald jemand mit 12 Quadratmetern denselben Betrag zahlt wie jemand mit 20. Rechnerisch zahlt die Person im kleinen Zimmer dann pro Quadratmeter fast das Doppelte. Solche Unterschiede fallen im ersten Monat niemandem auf und im dritten allen.
Modell 2: Miete nach Zimmergröße, die Standardformel
Hier steckt der eigentliche Rechenweg. Der Trick liegt darin, die Wohnung gedanklich in zwei Teile zu zerlegen: private Flächen und Gemeinschaftsflächen.
Private Flächen sind die Zimmer. Sie unterscheiden sich, also unterscheidet sich auch der Preis. Gemeinschaftsflächen sind Küche, Bad, Flur, Abstellkammer und Balkon, sofern er allen zugänglich ist. Diese Flächen nutzen alle gleichermaßen, unabhängig davon, wie groß das eigene Zimmer ist. Deshalb werden sie gleichmäßig auf alle Zimmer verteilt.
Daraus ergeben sich zwei Formeln:
Effektive Fläche = Zimmerfläche + Gemeinschaftsfläche ÷ Anzahl der Zimmer
Miete pro Zimmer = Gesamtmiete × effektive Fläche ÷ Summe aller effektiven Flächen
Die Kontrolle ist eingebaut: Die Summe aller Einzelmieten muss exakt die Gesamtmiete ergeben. Weicht sie ab, habt ihr euch verrechnet oder eine Fläche vergessen.
Beispielrechnung: Dreier-WG mit 1.200 Euro Kaltmiete
Eine 75 Quadratmeter große Wohnung, 1.200 Euro kalt. Die Zimmer sind 12, 16 und 20 Quadratmeter groß, macht 48 Quadratmeter privat. Bleiben 27 Quadratmeter Gemeinschaftsfläche (Küche 12, Bad 6, Flur 9).
Diese 27 Quadratmeter werden durch drei geteilt: 9 Quadratmeter kommen zu jedem Zimmer dazu.
| Zimmer | Zimmerfläche | Anteil Gemeinschaft | Effektive Fläche | Miete |
|---|---|---|---|---|
| Anna | 12 m² | 9 m² | 21 m² | 336 Euro |
| Ben | 16 m² | 9 m² | 25 m² | 400 Euro |
| Carla | 20 m² | 9 m² | 29 m² | 464 Euro |
| Summe | 48 m² | 27 m² | 75 m² | 1.200 Euro |
Der Quadratmeterpreis liegt bei 1.200 geteilt durch 75, also 16 Euro. Anna zahlt 21 mal 16 gleich 336 Euro, Ben 400 Euro, Carla 464 Euro. Die Summe stimmt.
Interessant ist der Vergleich mit Modell 1: Pro Kopf hätten alle 400 Euro gezahlt. Anna spart also 64 Euro im Monat, Carla zahlt 64 Euro mehr. Über ein Jahr sind das 768 Euro Unterschied, und genau deshalb lohnt sich die Rechnung.
Auffällig ist außerdem, wie stark die Gemeinschaftsfläche ausgleicht: Carlas Zimmer ist mit 20 Quadratmetern zwei Drittel größer als Annas mit 12, ihre Miete liegt aber nur 38 Prozent höher. Das ist kein Fehler, sondern der Punkt der Methode. Küche und Bad gehören allen.
Modell 3: Zuschläge für Balkon, eigenes Bad und Lage
Manchmal reicht die reine Fläche nicht. Ein Zimmer mit eigenem Balkon, ein Durchgangszimmer ohne Tür oder das einzige Zimmer zur lauten Straße lassen sich mit Quadratmetern allein nicht abbilden.
Die praktikabelste Lösung ist ein Flächenzuschlag statt eines Eurobetrags. Ihr rechnet den Vorteil in Quadratmeter um und addiert ihn zur Zimmerfläche. Übliche Größenordnungen:
- Balkon oder Loggia zur alleinigen Nutzung: die Hälfte der Fläche
- Eigenes Bad: die halbe Badfläche als Zuschlag, dafür fällt dieses Bad aus der Gemeinschaftsfläche heraus
- Durchgangszimmer oder Zimmer ohne Fenster zum Hof: Abschlag von 10 bis 20 Prozent der Zimmerfläche
Zurück zum Beispiel: Bens Zimmer hat einen Balkon mit 6 Quadratmetern, den nur er betreten kann. Zur Hälfte angerechnet sind das 3 Quadratmeter Zuschlag. Seine Zimmerfläche steigt damit rechnerisch von 16 auf 19 Quadratmeter, die Summe der effektiven Flächen von 75 auf 78.
| Zimmer | Effektive Fläche | Miete neu | Miete vorher |
|---|---|---|---|
| Anna | 21 m² | 323,08 Euro | 336 Euro |
| Ben | 28 m² | 430,77 Euro | 400 Euro |
| Carla | 29 m² | 446,15 Euro | 464 Euro |
| Summe | 78 m² | 1.200 Euro | 1.200 Euro |
Ben zahlt für seinen Balkon rund 31 Euro im Monat mehr, die anderen beiden werden entlastet. Beachtet den Rechenweg: Weil sich die Summe der effektiven Flächen verändert hat, sinkt der Quadratmeterpreis auf 15,38 Euro. Man rechnet also nicht einfach einen Aufschlag oben drauf, sondern verteilt dieselbe Gesamtmiete neu.
Für die Höhe solcher Zuschläge gibt es keine Norm. Entscheidend ist, dass ihr sie vor dem Einzug festlegt und dass sie nachvollziehbar bleibt.
Nebenkosten: nach Fläche oder pro Kopf?
Für die Kaltmiete ist die Fläche der richtige Maßstab. Für die Nebenkosten meistens nicht.
Heizung, Wasser, Strom und Müll hängen vor allem am Verhalten der Bewohner: wie lange geduscht, wie oft gewaschen, wie warm geheizt wird. Zwei Personen in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer verbrauchen mehr als eine Person in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer. Deshalb ist die gängige Praxis:
- Kaltmiete nach effektiver Fläche
- Nebenkosten und Strom gleichmäßig pro Person
- Internet, Rundfunkbeitrag, Streaming gleichmäßig pro Person
Im Beispiel kommen 300 Euro Nebenkosten dazu, also 100 Euro je Person. Die Warmmiete sieht dann so aus: Anna 436 Euro, Ben 500 Euro, Carla 564 Euro.
Der Rundfunkbeitrag ist ein Sonderfall, der jedes Jahr für Verwirrung sorgt: Er fällt einmal pro Wohnung an, nicht pro Person. Eine WG zahlt ihn also nur einmal und teilt ihn intern durch die Anzahl der Bewohner.
Zum Jahresende kommt dann die Abrechnung des Vermieters mit Nachzahlung oder Guthaben. Wie ihr die prüft und intern aufteilt, besonders wenn im Abrechnungszeitraum jemand ausgezogen oder eingezogen ist, steht im Artikel WG-Nebenkostenabrechnung: Schritt für Schritt erklärt.
Die laufenden WG-Kosten berechnen
Miete und Nebenkosten sind der einfache Teil: Sie stehen fest und werden einmal berechnet. Das eigentliche Chaos entsteht bei den laufenden Ausgaben, die jeden Monat anders aussehen. Spülmittel, Klopapier, Getränke für den WG-Abend, die neue Duschstange, der Großeinkauf.
Diese Beträge lassen sich nicht mit einer Mietformel erschlagen. Hier geht es nicht um Flächen, sondern darum, wer gerade vorgestreckt hat. Das Prinzip ist simpel: Alle gemeinsamen Ausgaben werden gesammelt, durch die Anzahl der Mitbewohner geteilt, und dann wird verglichen, wer wie viel ausgelegt hat.
Ein Monat in unserer Dreier-WG:
- Anna: Großeinkauf und Putzmittel, 84 Euro
- Ben: Internetrechnung, 45 Euro
- Carla: Getränke und Kaffee, 36 Euro
Zusammen 165 Euro, also 55 Euro pro Person. Anna hat 29 Euro zu viel gezahlt, Ben 10 Euro zu wenig, Carla 19 Euro zu wenig. Ben überweist Anna 10 Euro, Carla überweist Anna 19 Euro, und der Monat ist ausgeglichen. Zwei Überweisungen statt sechs.
Bei drei Personen und drei Ausgaben geht das im Kopf. Bei fünf Personen und vierzig Ausgaben im Monat nicht mehr, und spätestens dann führt jemand eine Tabelle, die niemand pflegt. Genau dafür gibt es Schuldnix: Jeder trägt seine Ausgaben ein, die App berechnet laufend die Salden und zeigt am Monatsende die kürzest mögliche Liste an Überweisungen. Wer nur einmal schnell nachrechnen will, nutzt den Schuldenrechner: Wer schuldet wem was in der Gruppe? ohne Anmeldung.
Welche Kostenarten überhaupt in den gemeinsamen Topf gehören und welche privat bleiben, klärt der Artikel WG-Kosten fair aufteilen: 7 Tipps, die wirklich funktionieren.
Die häufigsten Fehler beim Berechnen der WG-Miete
- Die Gemeinschaftsfläche vergessen. Wer nur die Zimmerflächen ins Verhältnis setzt, überzeichnet die Unterschiede massiv. Im Beispiel oben käme Anna auf 300 statt 336 Euro und Carla auf 500 statt 464 Euro.
- Mit Fantasiezahlen rechnen. Die Zimmergrößen stehen im Mietvertrag oder im Grundriss. Nachmessen dauert zehn Minuten und beendet jede Diskussion.
- Kaltmiete und Warmmiete vermischen. Entweder alles nach Fläche oder Kaltmiete nach Fläche und Nebenkosten pro Kopf. Beides zu mischen führt zu Beträgen, die niemand mehr nachvollzieht.
- Zuschläge oben drauf rechnen. Ein Balkonzuschlag verteilt die Gesamtmiete neu, er erhöht sie nicht. Sonst zahlt die WG plötzlich mehr, als der Vermieter verlangt.
- Bei Mieterwechsel nicht neu rechnen. Zieht jemand aus und ein anderes Zimmer wird neu bezogen, sollte die Aufteilung einmal geprüft werden, besonders wenn sich die Gesamtmiete geändert hat.
- Nichts aufschreiben. Die Aufteilung gehört in eine Nachricht im WG-Chat oder in eine WG-Vereinbarung. Mündliche Absprachen erinnern sich nach einem Jahr erstaunlich unterschiedlich.
Fazit
Die faire WG-Miete ist keine Verhandlungssache, sondern eine Rechnung mit zwei Zeilen: private Zimmerfläche plus gleicher Anteil der Gemeinschaftsfläche ergibt die effektive Fläche, und die Gesamtmiete verteilt sich im Verhältnis dieser Flächen. Zuschläge für Balkon oder eigenes Bad fließen als zusätzliche Quadratmeter ein, Nebenkosten laufen in der Regel gleichmäßig pro Kopf.
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Häufige Fragen
Jedes Zimmer bekommt seine eigene Fläche plus einen gleichen Anteil der Gemeinschaftsfläche. Diese Summe ist die effektive Fläche des Zimmers. Die Miete pro Zimmer ist dann Gesamtmiete mal effektive Fläche geteilt durch die Summe aller effektiven Flächen. Bei 1.200 Euro Kaltmiete, 75 Quadratmetern Gesamtfläche und einem Zimmer mit 21 effektiven Quadratmetern ergibt das 336 Euro.
Ja, aber für alle gleich. Küche, Bad und Flur nutzen alle Mitbewohner unabhängig von der Größe ihres Zimmers. Deshalb wird die Gemeinschaftsfläche durch die Anzahl der Zimmer geteilt und jedem Zimmer gleich zugeschlagen. Unterschiede in der Miete entstehen nur durch die privaten Zimmerflächen.
Das ist die einfachste Lösung und funktioniert gut, wenn die Zimmer ungefähr gleich groß und gleich attraktiv sind. Sobald ein Zimmer deutlich größer ist, einen Balkon hat oder das einzige mit Tageslicht ist, führt die gleiche Miete für alle regelmäßig zu Frust. Dann ist die Aufteilung nach Fläche fairer.
Üblich ist, die Kaltmiete nach Zimmergröße und die Nebenkosten gleichmäßig pro Person zu teilen. Heizung, Wasser und Strom hängen eher vom Verhalten als von der Zimmergröße ab. Ihr könnt auch die Warmmiete komplett nach Fläche aufteilen, wichtig ist nur, dass ihr euch auf einen Weg einigt und dabei bleibt.
Am einfachsten als Flächenzuschlag. Ein Balkon wird oft zur Hälfte seiner Fläche angerechnet, ein eigenes Bad mit ein paar Quadratmetern Aufschlag. Diese Zuschläge fließen in die effektive Fläche des Zimmers ein, der Rest der Rechnung bleibt gleich. Entscheidend ist nicht die perfekte Zahl, sondern dass alle den Aufschlag nachvollziehen können.
Ja. Der WG-Rechner von Schuldnix berechnet die faire Miete pro Zimmer direkt im Browser, ohne Anmeldung: Gesamtmiete, Zimmergrößen und Gemeinschaftsfläche eintragen, fertig. Für die laufenden Kosten wie Einkäufe und Internet braucht ihr ein zweites Werkzeug, weil sich diese Beträge jeden Monat ändern.
